
der morgen danach
ja hallo mein liebes tagebuch … ich weiss, iss schon nen moment wieder her, dass ich hier war, aber du weisst ja, ich war nun nen bischen in der weltgeschichte unterwegs … schottland … edinburgh … boston,ma … und last but not least … im kosovo. wie dem beigefügten bild unschwer zu entnehmen ist, freute nicht nur ich mich auf die reise zu den bundeswehr soldaten im kfor regiment, nein, auch die komplette band karat war voll geschlossen einer meinung. okay, spass beiseite, die meinungen gingen natürlich quer durch den garteen und jetzt wo ich wieder hier bin, kann ich nur sagen, es war gut mal dort gewesen zu sein.
ich selbst zähle ja dann doch eher zu denen, die mit den bundis nicht wirklich was am hut haben (erfolgreich kriegsdienstverweigert … und durch bewusste augenarztwahl am zivildienst vorbeigeschlittert) … das hat sich nach den tagen im lager prizren geändert. ich denke nun ein wenig anders darüber, was unter anderem mit meinen steuergeldern dort passiert. also um es für alle unbeteiligten mal kurz abzureissen: am 5. gings um 6:00 zum fliegerhorst penzing bei landsberg am lech … dort einchecken zum flug mit der transknall c-160 nach prisdina (einchecken sieht da so aus: man fährt mit dem pkw bis zur baracke, parkt ein, nimmt sein gepäck in die baracke, gibts ab und das wars) … dann frühstück in der bundeswehr kantine und um halb 10 wieder zurück in die baracke … dann um 10 einsteigen in den bus und 50m mit dem bus bis zum flieger fahren (sowas kannte ich aus schönefeld) … den anweisungen des lademeisters lauschen (besonders interessant die passage mit den sanitären einrichtungen an bord) … dann einsteigen, nicht über die festgegurteten adapoe kisten stolpern und sitz (ich würde eher sagen hängematratze) einnehmen, anschnallen und schon gehts los. schnell noch die ohrstöpsel rein, weil sonst wär ich jetzt taub.
beim anflug auf die albanische adriaküste durfte ick mal einen kurzen blick aus dem cockpit erhaschen … ja dett war schon schön. nach der landung in pristina wurden die propeller abgschaltet und ick konnte die ohrstöpsel rausnehmen. an unseren unzähligen adapoe kisten vorbeigeschängelt raus ins freie.
dann gings erst ins militärische terminal, dann mitm bus zum zivilen teil des flughafens, dort gabs nen einreisestempel im pass und dann wieder zurück zur kfor baracke. dort warteten schon unsere persönliches lifeguards um uns im bundeswehr bus nach prisren zu chauffieren. ja auch der hinweis zum zwischenlegen der schusssicheren westen durfte nicht fehlen, genauso wie das auch vorne und hinten mit geladener waffe gereist wurde. nach einer gefühlten tagesfahrt (in wirklichkeit liegt das feldlager nur 40km vom flughafen entfernt) kamen wir an und konnten sofort von der übrigens bis zum letzten tag ungebrochenen gastfreundschaft probieren … es gab eine üppige fleischplatte mit schnitzel und allem was man sich so kalorienbewust verkneifen würde. danach durften die container bezogen werden, es gab noch ne kleine einweisung in bezug auf die sanitären einrichtungen und es wurde für den abend ein gemütliches beisammensein angekündigt. ich entschied mich für ne mütze schlaf und wachte dann pünktlich zur willkommensfeier auf. bein stubennachbar war auch hier herr schwandt, den ich bewusst aufgrund der schnarscherfahrungen in den vergangenen jahren gewählt hatte. für den nächsten tag war ein tagesausflug in den süden des landes angesetzt. die kapelle mit ausnahme herrn schwandts, der es vorzug die kovoarische sonne am container zu genießen, fand sich also am bus ein und es ging vorbei an der altstadt, einer schlucht, einem serbisch-orthodoxen kloster an dem der karl-may film “der schut” gedreht wurde hinauf zur quelle des weissen drin nahe der alten römerstadt pec. was sich auf der fahrt zur quelle ereignitte beschrieb herr dreilich mir gegenüber mit den worten: “micha, das machen wir alles hier nur für dich!” … nun ich will nicht übertreiben, aber mit einem reisebus einen feldweg entlang, der nichtmal halb so breit war wie das gefährt selbst, ließ mir bewusst den halben bw proviant aus dem verpflegungsbeutel nochmal nach oben steigen. der aufstieg zur qelle war dann aber auch nur noch 50m … naja immerhin hätten wir auf den so überbrückten 400m ja auch in den abgrund stürzen können. egal … ich habs überlebt und der blick auf den wasserfall war atemberaubend schön. danach gings zur rugova-schlucht … der absolute hammer :
okay … bei sovielen einflüssen, war dann gottseidank rückfahrt angesagt. der nächste tag sollte uns zum amselfeld führen, zuvor sollten wir aber noch an einer tropfsteinhöhle station machen … okay, erst ging ja auch alles nach plan, dann stockte es aber auf der schmalen landstrasse richtung prisdina. okay, mit kfor kennzeichen kann man dann auch einfach mal überholen
tja, dann verließen unseren eifrigen busfahrer nebst komplizen die die navigationskräfte. irgendwo im nichts passierte der bus dann eine gasse die konisch geformt war, mit dem resultat, dass es dann nur noch den rückwärtsgang gab, sehr zur freude der anwesenden kinder :
die höhle selbst war auch sehr imposant, gerade auch weil man sie erst vor einigen jahren durch zufall entdeckte und bis heute dort auch noch nix auf eine touristische attraktion hindeutet. nach dem halbstündigen rundgang gings dann doch noch an den stadtrand von prisdina in ein kloster und zum amselfeld. ja, auch ich bemerkte wieder wie wenig mir über europäische geschichte geläufig ist und so tat ich gut daran, die ausführungen des hauptfeldwebels nochmal bei wikipedia nachzuschlagen. auf alle fälle hatte man einen beeindruckenden blick vom monument auf dem amselfeld
auf die zwei einzigen kraftwerke des kosovo. wie an allen stellen, so auch hier offenbarte sich der allgemeine wille zu sauberkeit und umweltschutz auch hier - eine von der eu geschenkte filteranlage wurde kurzerhand gegen bares nach albanien verkauft. die bilder von einfach in die landschaft geworfenem müll erspare ich hier mal. danach gings wieder zurück ins feldlager, natürlich wurde sich nicht hinten am stau angestellt, nein man fuhr einfach auf der baustelle am stau vorbei, scherte dann kurz vor der abgerissenen brücke wieder ein, versetzte einen begrenzungspfad und fuhr einfach weiter … ja dett macht spass.
während am vorabend ein üppiges käsefondue nebst frisch gegrilltem bei den ösis und schweizern im nachbar camp anstand, wurde heute abend beim lagerinternen italiano gespeist … hammermäßig.
so, am 4.tag stand dann endlich das erste der mittlerweile auf zwei zusammengestrichenen karat konzerte an. das material stand schon vor der bühne und durchweg motivierte bundis halfen beim aufbau. die mugge selbst war dann auf alle fälle aus sicht der ortsansässigen gastronomie ein voller erfolg … es gab ratzeputzekahl gar keen bier mehr uff dem platz .. spieltechnisch waren noch einige verbesserungen möglich.
der nächste tag hatte ein konzert im aussenlager airfield parrat. vortags gings aber erstmal noch auf stadtbesichtigung bevor zur show gerödelt wurde. alles was prizren zu bieten hatte wurde uns gezeigt und erklärt … die muttergotteskirche, das abgebrannte serbenviertel und das türkische bad mitten in der altstadt.
im aussenlager wehte uns dann gleich ein eisigerer wind entgegen, also ich hatte das gefühl die wollten da gar kein konzert und irgendjemand hatte doch eins befohlen. na immerhin gelang mir dieser schnappschuss von kai als er mit herrn schmitt die schweren boxen in die halle buchsierte.
da wurde dann heftig telefoniert und irgendwie gabs wohl von ganz oben noch was aufn deckel, aber danach gings dann ja auch. mit diesem konzert nährte sich das erste auslandsgastspiel der gruppe karat im neuen jahrhundert schon fast seinem ende. am nächsten morgen gabs dann nur noch ein nettes abschiedsfrühstück in der kantine und die fahrt zur transall. warum wir in aller herzgottsfrühe losmussten um dann am airport nochmal gut 3 stunden auf den abflug zu warten wird wohl immer ein geheimnis bleiben. na immerhin gabs für mich auf diesem flug die chance den approach und die landung auf dem fliegerhorst penzing im cockpit miterleben zu dürfen … ich denke mal das war wirklich ein sehr sehr schöner abschluss.
nun liegen die tage im kosovo schon ein paar wochen zurück, viele eindrücke beschäftigen mich aber noch immer und werden es wohl auch noch eine weile. wer mich kennt, weis dass ich mit den bundis nie wirklich viel am hut hatte und da auch ne schöne eingefahrene meinung zu äußerte … okay, nach den tagen da hat sich da vieles bei mir zum positiven gewandt. das ich vor ort stets den konflikt mit dem überfluß an essen im lager und der armut auf dem lande klar kommen musste wird mich genauso noch beschäftigen wie die bilder von den um essen und geld bettelnden kindern, denen wir nichts geben durften.